Startup des Jahres 2026
Wie das Osnabrücker Jungunternehmen Nimbo das Leben von Kindern mit Diabetes verändert
Das MedTech-Startup Nimbo will den Alltag von Kindern mit Typ-1-Diabetes besser machen. Das kommt bei den Osnabrückern gut an. Sie selbst haben das junge Unternehmen zum Startup des Jahres gekürt.

„Wir haben null erwartet, zu gewinnen“, gesteht Elisabeth Mach, als sie sich an die Preisverleihung beim „Startup Beats & Business“ am Theaterbeach zurückerinnert. Sie hatte bei dem sommerlichen Event selbst auf der Bühne gestanden und das Startup Nimbo in einem kurzen Pitch präsentiert – vor dem Publikum, das mitten im Sand auf Liegestühlen oder an Bartischen zuhörte.
Ihr Vortrag stand in Konkurrenz zu vier weiteren Startups. Doch Oberbürgermeisterin Katharina Pötter überreichte die Trophäe letztendlich an Elisabeth. Ihr Bruder und Mitgründer Konrad freut sich besonders, dass die Entscheidung durch das Publikum fiel: „Das hat uns gezeigt, dass es den Leuten, die da waren und zugehört haben, wirklich gefallen hat.“
Auch im Anschluss erhielten die Geschwister viel Zuspruch. „Ich finde, gerade in Osnabrück sind die Startup-Veranstaltungen sehr persönlich und unterstützend – das hat schon fast etwas von einem Klassentreffen“, beschreibt Elisabeth. Vor allem über das direkte Feedback von Diabetesberatern, Schulbegleitern und Betroffenen haben sich beide sehr gefreut. Darüber hinaus habe der Titel „Osnabrücker Startup des Jahres“ Nimbo Sichtbarkeit über die Stadtgrenzen hinaus verliehen: „Wir wurden sogar in anderen Städten darauf angesprochen“, sagt sie.


Ein wolkenleichter Begleiter
Nimbo will den Alltag von Kindern mit Typ-1-Diabetes verändern und den Umgang mit der Erkrankung verständlicher machen. Aktuell messen Betroffene ihren Blutzucker meist über Gewebesensoren in der Haut. „Das sind hervorragende Systeme. Die können und wollen wir gar nicht ersetzen“, stellt Konrad klar. „Wir setzen zusätzlich auf diese Systeme auf und versuchen, die Daten kinderfreundlich darzustellen.“
Hier setzt die Hardware von Nimbo an, die optisch wie eine kleine Wolke gestaltet ist. Über ein intuitives Farbsystem zeigt sie den aktuellen Wert sowie Tendenzen an: Steigt oder fällt der Blutzucker schnell oder langsam? So sehen Eltern, Erzieher und das Kind auf einen Blick, wo die Reise hingeht, und können rechtzeitig handeln. Dazu kommt eine App mit Gamification-Elementen: Über Geschichten im Stil interaktiver Bilderbücher spielen die Kinder kurze Lerneinheiten durch. So reflektieren sie in wenigen Minuten ihren Alltag – etwa wie viel Energie sie hatten – und lernen spielerisch die Signale ihres Körpers zu verstehen.
„Die Kinder erfahren Diabetes heute oft als Gegner, gegen den sie kämpfen müssen“, erklärt Elisabeth. „Aber eigentlich ist Diabetes ein lebenslanger Begleiter, den man managen muss.“ Genau hier schließt Nimbo die Lücke: Es will die Kleinen beim Aufbau von Gesundheitswissen unterstützen und damit auch Folgeerkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen vorbeugen, die im Zusammenhang mit den Belastungen entstehen können.

Von der Idee zum Startup
Die Idee zu Nimbo entstand während Elisabeths Bachelorstudium im Produktdesign, noch bevor sie ihren Master in Service and Experience Design draufsetzte. Damals sollte sie eine Produktlücke finden, um medizinische Erkenntnisse sichtbar zu machen. Eine diabeteskranke Freundin brachte sie schließlich auf die Grundidee für Nimbo.
Konrad schaute als gelernter Anwendungsentwickler zunächst technisch über das Projekt seiner Schwester – bis beide erkannten, welches Potenzial darin steckt und das Startup gründeten. Vervollständigt wird das Kernteam durch Huda El Haj Said. Sie ist studierte Medizinerin, lebt selbst seit ihrer Kindheit mit Typ-1-Diabetes und ist in der Fachwelt schon seit vielen Jahren stark vernetzt. „Damit war Huda einfach das perfekte Match für uns“, sagt Elisabeth.
Noch arbeiten die Gründer nebenher in anderen Berufen. „Wir kommen alle aus Arbeiterfamilien und haben alle Migrationshintergrund“, erzählt Elisabeth. „Wenn man nicht aus einem klassischen Unternehmerumfeld stammt, gründet man anders.“ Konrad ergänzt: „Wir versuchen wirklich, langfristig etwas aufzubauen und die Welt für Kinder mit Diabetes ein kleines Stückchen besser zu machen.“

Osnabrück: der perfekte Nährboden
Ein entscheidender Baustein für die bisherige Reise war die Aufnahme in das Programm des Osnabrücker Healthcare Accelerator (OHA). „Für das Healthcare-Feld kenne ich keine besseren Experten“, schwärmt Elisabeth. „Das OHA hat die Kontakte, bietet eine enge Betreuung und hat uns von Anfang an begleitet.“
Das Geschwisterpaar schätzt das Ökosystem in Osnabrück sehr. „Wenn das OHA mal nicht direkt helfen konnte, wurden wir sofort an die nächste passende Stelle weitergeleitet, und alle helfen gern“, sagt Elisabeth, die viel im Startup-Bereich unterwegs ist. „Hier in Osnabrück arbeiten alle zusammen.“ Auch Konrad lobt das Engagement in der Stadt: Organisationen wie die Wirtschaftsförderung oder das InnovationsCentrum haben in der Vergangenheit sehr geholfen. „Man merkt, dass die Leute Bock haben, dass sich hier etwas bewegt.“
Elisabeth und Konrad sind in Osnabrück aufgewachsen und möchten mit Nimbo gern bleiben. „So wie wir Osnabrück bislang erleben – mit dieser Flexibilität, den Partnerschaften und der Hilfsbereitschaft –, glauben wir, dass das möglich ist“, sagt Elisabeth. Vielleicht haben ja das Startup Beats & Business am Theaterbeach und der Titel „Osnabrücker Startup des Jahres“ diesen Wunsch noch einmal verstärkt.
Elisabeth Mach„Die Unternehmen in Osnabrück sind sensibilisiert. Wir müssen uns als Startup selten erklären.“
3 aus 49
Elisabeth und Konrad Mach haben aus 49 Fragen 3 gezogen. Das sind ihre Antworten:
Wen würdest du für einen Tag zu Nimbo holen?Konrad: „OHA-Startup-Manager Oliver Volckmer, der uns am Anfang schon extrem geholfen hat.“ Elisabeth: (lacht) „Genau daran hab ich auch gedacht.“
Wie würdest du ein Team-Event in Osnabrück planen? Elisabeth: „Rudern. Das ist ja so ein Osnabrücker Ding. Ich glaube das wäre lustig.“ Konrad: „Und einen Nachtwächter-Rundgang inklusive Besuch im Rampendahl.“
In welches Jahr in der Zukunft würdest du reisen?
Konrad: „In 3 bis 5 Jahren könnten wir sehen, was falsch gelaufen ist bei Nimbo und daraus lernen.“ Elisabeth: „Etwa 2035, wenn das Lokviertel und der Neumarkt fertig sind. Mich interessiert, wo wir uns hier dann eingeordnet haben.“
