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Die Magie des Live-Moments

Wie os|radio seit 30 Jahren ganz Osnabrück verbindet

08.10.2026

Vom mutigen Bürgerfunk-Experiment zum erfolgreichsten Lokalsender Niedersachsens: Mitgründer Andreas Menke, Geschäftsführerin Simone Wölfel und ihr Team bringen seit drei Jahrzehnten die Geschichten und die Menschen der Friedensstadt ins Radio.

Ein Mann und eine Frau lächeln im Studio von os radio 104,8 nebeneinander in die Kamera. Im Vordergrund steht ein Studiomikrofon.

Ein voller Saal im Kulturzentrum Lagerhalle mitten in der Osnabrücker Altstadt. Es muss eine ganz besondere Energie in der Luft gelegen haben, als das Team von os|radio 104,8 dort im Juli sein großes Jubiläum feierte. „Wir waren sehr glücklich und ganz angetan, dass so viele da waren“, erinnert sich Andreas Menke. Auch ein bisschen stolz ist er beim Rückblick auf die vergangenen 30 Jahre. „Wir haben uns immer weiterentwickelt“, sagt er.

Andreas ist von Anfang an dabei. Die Geschichte des Senders begann 1994 mit einer engagierten Gruppe an der Volkshochschule Osnabrück, die einen Offenen Kanal ins Leben rufen wollte. „Damals gab es noch keine Beteiligung an Medien. Und bestimmte Dinge las man damals einfach nicht in der Zeitung. Ich kannte das nicht anders.“ Der Offene Kanal sollte das ändern und Bürgern die Möglichkeit geben, sich in den Medien zu beteiligen.

Außenansicht eines mehrstöckigen Gebäudes von os radio 104,8 mit gepflastertem Vorplatz, geparkten Fahrrädern und Eingangsbereich.
Eine Frau und ein Mann lehnen lächelnd an einem Empfangstresen im Foyer eines Radiostenders. Links hängen gerahmte Porträts an der Wand.

Vom Offenen Kanal Osnabrück zu Lokalsender os|radio

Andreas, der Musik und Erziehungswissenschaften studiert hatte und ein absoluter Radioliebhaber war, schloss sich der Initiative an. Damit verbunden war auch die Hoffnung, sein Lieblingsmedium zum Beruf zu machen. Mit Erfolg. Am 18. Oktober 1996 ging der Offene Kanal endlich an den Start – auf der Frequenz 104,8 und mit ihm als Medienberater der Bürgerfunker. 

2002 folgte schließlich der Wandel. Aus dem Offenen Kanal wurde os|radio – ein nicht-kommerzieller Lokalsender. Seitdem sendet eine heute neunköpfige Hauptamtlichen-Redaktion zwischen 6 und 18 Uhr, ehe abends und am Wochenende die ehrenamtlichen Bürgerfunker übernehmen.

Radio machen, wo Geschichten entstehen

Simone Wölfel kam als Praktikantin zum Offenen Kanal – heute ist sie die Geschäftsführerin von os|radio. Studiert hat sie Medienpädagogik in Bielefeld, als das Fach noch ganz neu war. Die Vermittlung von Medienkompetenz liegt ihr heute noch am Herzen: „In Schulen zu gehen und mit Kindern Radio machen – das ist großartig!“ Sobald die Signalleuchte im Studio brennt oder das mobile Mikrofon im Klassenraum läuft, springe die Faszination über.

Sie kann das nur allzu gut nachempfinden. Sie selbst liebt den Live-Moment. Radio ist für sie aber noch mehr: Mit Menschen in Kontakt zu kommen – egal ob im Interview mit der Oberbürgermeisterin oder mit jemandem, der sein außergewöhnliches Hobby präsentiert. „Die Begeisterung der Menschen schwappt auf mich als die Reporterin über“, erzählt sie.

Ein Mann und eine Frau stehen lächelnd im Türrahmen eines Aufnahmeraums bei os radio 104,8. Über ihnen leuchtet das Schild „Achtung Aufnahme“.

Auch Andreas hat die Faszination für das Medium nie verloren: „Ich finde diese Form so spannend, weil wir gleichzeitig informieren und unterhalten.“ Er sieht im Radio ein extrem stabiles Medium. Während das Fernsehen ins Streaming abwandert, funktioniert Radio immer noch linear: „Der Hörer möchte live dabei sein, sich in der Welt aufgehoben fühlen und das Gefühl haben, alles Wichtige mitzubekommen.“

Fest verankert in der Region

Dass diese Begeisterung ankommt, belegen die Zahlen der Landesmedienanstalt: os|radio ist der erfolgreichste Lokalsender Niedersachsens mit hochgerechnet täglich 40.000 Hörerinnen und Hörern in Stadt und Landkreis. Wenn Simone sich beim Publikum umhört, warum es den Sender schätzt, dann sind es besonders zwei Dinge, sagt sie: die abwechslungsreiche Musikmischung von den 60ern bis zu den aktuellen Charts und das Lokalkolorit – also die Geschichten und Nachrichten aus Osnabrück. 

Für Simone war das Jubiläum der beste Beweis für die tiefe regionale Verankerung: „Da waren Radiomacher, wir als Mitarbeiter, Vertreter aus der Politik in Stadt und Landkreis, Zuhörer – das ist so ein bunter Kreis an Menschen, die das Radio unterstützen oder daran teilhaben.“ 

Osnabrück ist in den Augen des Führungsteams das ideale Umfeld für einen Lokalsender wie os|radio. „Die Stadt hat die perfekte Größe“, findet Andreas. Sie ist in seinen Augen gesellschaftlich ausbalanciert, hat viele Studierende und engagierte Bürger. Und außerdem: „Hier ist immer was los“, sagt er.

Eine Frau und ein Mann stehen in einem hellen Büro vor einer Wand mit neun gerahmten Portraits. Links ist ein verglaster Eingangsbereich zu sehen.

os|radio: Ein Ort für Ausbildung und Medienkompetenz

Bei aller Liebe zum Medium Radio – os|radio ist kein Liebhaberprojekt. Der Sender versteht sich als Sprachrohr für die Gesellschaft, als publizistische Ergänzung und als Ausbildungssender. Mindestens ein Volontariatsplatz ist immer besetzt, gerade sind es zwei. Zum Jahresanfang ist eine weitere Stelle ausgeschrieben. Außerdem sind Praktikanten und Schüler willkommen, um Medienkompetenzen zu erlangen.

Auch außerhalb der Redaktion in der Lohstraße ist os|radio tätig, besonders für Kinder und Jugendliche, so wie Simone es liebt. Gerade ist ein neues Schulprojekt zur Demokratieförderung in Stadt und Landkreis rund um Fake News und Extremismus angelaufen. Schülerinnen und Schüler führen Experteninterviews, machen Umfragen und produzieren eigene Sendungen, die dann im Radio laufen – ein kostenfreies Angebot, das großen Anklang findet.

Lokalradio der Zukunft

Für all diese vielfältigen Aufgaben benötigt der Sender natürlich Geld. Das kommt zum Großteil aus Rundfunkgebühren, aber auch von regionalen Unterstützern wie der Stadt, dem Landkreis oder der Sparkasse Osnabrück. Alle 10 Jahre wird über eine neue Sendelizenz entschieden. Die aktuelle läuft noch bis 2031. Natürlich hoffen Simone und Andreas, dass es auch danach weitergeht. 

Sie freuen sich darauf, den Sender weiter voranzutreiben und die Osnabrücker in ihrem Alltag zu begleiten. Denn das Gefühl der Jubiläumsfeier wirkt bis heute nach. In die vielen unterschiedlichen Gesichter der Menschen zu blicken, die alle Teil der os|radio-Community sind, hat tief bewegt, sagt Simone: „Diese Freude, die scheinbar viele mit uns teilen. Das hat mich wirklich berührt. Dass Leute uns einschalten und mögen!“

„Osnabrück hat genau die richtige Größe für so ein Radio wie os|radio.“

Andreas Menke

3 aus 49

Simone Wölfel und Andreas Menke haben aus 49 Fragen 3 ausgewählte beantwortet:


Wie würde ein os|radio-Maskottchen aussehen?Simone: „Ein Radio mit großen Augen und einer langen Antenne für Stadt und Landkreis Osnabrück.“ Andreas: „Genau, in den Farben Orange und Schwarz.“

Wo ist euer Lieblingsplatz bei os|radio?
Simone: „In Studio 4 zum Nachrichtensprechen.“ Andreas: „Live im Studio finde ich immer noch prickelnd.“

Wo und wie schaltet ihr nach der Arbeit ab?

Andreas: „Ich koche etwas und höre dabei Podcasts.“ Simone: „Sport in der Natur. Osnabrück ist ja schön grün. Zum Beispiel gehe ich am Schölerberg laufen.“

Eine Frau und ein Mann sitzen lachend auf einem grauen Sofa. Im Hintergrund gibt ein Fenster den Blick in ein Radiostudio frei.